Anleitungen15. September 2026·6 Min. Lesezeit

Wenn ein Gast beim Krimidinner absagt

Zwei Stunden vor dem Abend kommt die Nachricht: Erkältung, Bahnstreik, Babysitter abgesprungen. Für die Gastgeberin fühlt sich das nach einem geplatzten Plan an, ist aber fast immer ein Problem von zehn Minuten. Jede Box enthält einen Anpassungsteil, der genau dafür gedacht ist. Hier stehen die drei Notfallpläne, der Sonderfall „der Täter fehlt“ und die Sätze, mit denen du es am Tisch erklärst.

Wenn ein Gast beim Krimidinner absagt

Erst prüfen: welche Rolle fällt überhaupt weg?

Bevor du irgendetwas änderst, schau in den Leitfaden. Dort ist vermerkt, welche Figuren tragend sind und welche sich streichen lassen, ohne dass die Handlung bricht. In den meisten Szenarien sind drei bis vier Rollen für die Auflösung notwendig, der Rest liefert Atmosphäre, Motive und falsche Fährten. Fällt eine dieser Nebenfiguren aus, ist der Fall in zwei Minuten erledigt: Du nimmst den Bogen aus dem Stapel und verteilst ihre Hinweise auf zwei andere Figuren. Notiere dir dabei kurz, wer nun was weiß, sonst suchst du in Akt 2 danach. Wichtig ist nur eine Regel: Hinweise verschwinden nie, Figuren schon. Jeder Hinweis, der zur Lösung führt, muss im Spiel bleiben, sonst kann die Runde den Fall nicht knacken. Wenn du die Zeit hast, lies zusätzlich die Auflösung noch einmal quer und markiere dir die zwei oder drei Sätze, in denen die gestrichene Figur vorkommt. Nimm dir dafür zehn Minuten am Nachmittag, nicht fünf Minuten vor dem Ankommen der ersten Gäste.

Die drei Notfallpläne

Plan A ist das Streichen: Die Figur war nie da, ihre Hinweise gehen an andere Gäste, fertig. Das ist die sauberste Lösung, wenn es sich um eine Nebenrolle handelt. Plan B ist das Zusammenlegen: Eine anwesende Figur übernimmt zusätzlich das Wissen der fehlenden, zum Beispiel „Der Butler war an diesem Abend auch für die Bibliothek zuständig“. Das funktioniert gut, wenn beide Figuren im selben Umfeld arbeiten, und es hält alle Hinweise im Spiel. Plan C ist die Abwesenheit als Teil der Geschichte: Die Figur existiert, ist aber verreist, krank oder verschwunden, und die Spielleitung beantwortet Fragen zu ihr aus dem Leitfaden. Diese Variante ist erstaunlich wirkungsvoll, denn eine abwesende Person wirkt automatisch verdächtig und sorgt für Gesprächsstoff. Entscheide dich für einen Plan und zieh ihn durch, statt mitten im Abend die Version zu wechseln. Alle Szenarien enthalten diesen Anpassungsteil, eine Übersicht findest du unter /krimidinner. Notiere die gewählte Variante oben auf den Leitfaden, damit du sie im Eifer des Abends nicht vergisst.

Der Sonderfall: die Täterfigur fehlt

Das klingt nach Katastrophe und ist der einfachste Fall von allen, solange du die Absage vor dem Spielbeginn erfährst. Du ziehst schlicht den Charakterbogen der Täterfigur aus dem Stapel und gibst ihn einem anderen Gast, dessen Rolle du dafür streichst oder zusammenlegst. Die Lösung des Falls bleibt exakt dieselbe, nur sitzt der Täter an einem anderen Platz. Verteile die Bögen in so einem Fall erst an der Tür und nicht vorab per E-Mail, sonst muss jemand seine Rolle tauschen und weiß dann zu viel. Sagt der Gast dagegen mitten im Abend ab, etwa weil er wirklich nicht mehr kommt, obwohl der Bogen schon verschickt war, gibt es eine elegante Notlösung: Die Figur wird zum flüchtigen Verdächtigen, die Spielleitung übernimmt ihre Aussagen und die Runde ermittelt gegen eine Person, die nicht am Tisch sitzt. Kündige das als Teil der Geschichte an, dann merkt niemand etwas von der Improvisation. Sag der Runde in diesem Fall nichts von der Änderung, sie würde die Ermittlung nur in eine falsche Richtung lenken.

Wenn plötzlich jemand mehr kommt

Der umgekehrte Fall passiert genauso oft: Jemand bringt den neuen Freund mit, oder der Kollege, der abgesagt hatte, steht doch vor der Tür. Auch dafür gibt es drei Wege. Erstens: Wenn du eine Stufe höher gekauft hast, liegen ohnehin mehr Charakterbögen bereit, und du gibst einfach einen zusätzlichen aus. Zweitens: Die Person unterstützt die Spielleitung, hilft beim Verteilen der Hinweise und führt Protokoll, was bei großen Runden echte Arbeit ist. Drittens, und das funktioniert am besten: Zwei Personen teilen sich eine Figur als Paar, etwa als Ehepaar, Geschäftspartner oder Assistentin der Hauptfigur. Beide lesen denselben Bogen und dürfen sich absprechen, das ist für schüchterne Gäste sogar angenehmer. Wer gar nicht mitspielen will, bekommt die Rolle des Kommissars, der am Ende die Abstimmung leitet. Was du in keinem Fall tun solltest: zwei Personen heimlich dieselbe Figur geben. Doppelte Rollen machen die Auflösung unlösbar und fallen spätestens im zweiten Akt auf. Frag im Zweifel kurz nach, ob die zusätzliche Person überhaupt mitspielen will, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Die Ansage am Tisch

Erkläre die Änderung kurz und im Ton der Geschichte, nicht als organisatorische Panne. Ein Satz reicht: „Madame Rochefort hat den letzten Zug genommen und ist heute Abend nicht im Haus, ihre Aussage liegt schriftlich vor.“ Damit weiß die Runde Bescheid und niemand sucht den ganzen Abend nach einer Figur, die es nicht gibt. Wichtig ist, dass du diese Ansage machst, bevor Akt 1 beginnt, denn nichts verwirrt eine Gruppe mehr als eine Rolle, die in den Hinweisen auftaucht, aber nie erscheint. Wenn du Hinweise umverteilt hast, sag außerdem keinem Spieler, warum er mehr weiß als geplant. Am Ende, bei der Auflösung, kannst du es erzählen: Solche Anekdoten gehören zu jedem guten Abend dazu. Und falls die Absagen sich häufen und ihr am Ende nur noch zu viert seid, ist ein Detektiv-Fall für zwei bis sechs Personen die bessere Wahl, weil er ohne Rollenverteilung auskommt. Halte den Satz kurz und sprich ihn im Ton der Geschichte, dann nimmt ihn die Runde als Teil des Falls.

Vorbeugen: was du bei der Planung beachtest

Ein paar Entscheidungen im Vorfeld nehmen dir den Stress fast vollständig. Frage die Gästezahl verbindlich ab und rechne mit einer Absage, das ist der Erfahrungswert. Wenn du zwischen zwei Stufen schwankst, nimm die größere: Zu viele Bögen kannst du streichen, zu wenige nicht erfinden. Verschick die Charakterbögen erst, wenn die Runde steht, und im Zweifel lieber am Vortag als eine Woche vorher. Lies den Anpassungsteil des Leitfadens einmal vor dem Abend, damit du im Ernstfall nicht suchen musst, und markiere dir die Rollen, die als verzichtbar gekennzeichnet sind. Drucke schließlich einen Ersatzsatz der wichtigsten Hinweise: Er hilft nicht nur bei Absagen, sondern auch, wenn ein Umschlag im Chaos verschwindet. Die Detektiv-Fälle für kleine Runden findest du unter /detektiv-faelle. Notiere dir außerdem die Telefonnummern aller Gäste an einer Stelle. Wer zwei Stunden vorher absagt, schreibt das erfahrungsgemäß einer Person aus der Gruppe, und die Spielleitung erfährt es als Letzte. Mit diesen fünf Minuten Vorbereitung wird aus einer Absage eine Randnotiz statt eines Problems.

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Häufige Fragen

Kann ich eine Rolle einfach weglassen?+
Ja, sofern der Leitfaden sie nicht als tragend markiert. Nimm den Bogen aus dem Stapel und verteile die Hinweise dieser Figur auf zwei andere Spieler. Die Regel lautet: Figuren dürfen verschwinden, Hinweise nie.
Was mache ich, wenn ausgerechnet der Täter absagt?+
Gib den Charakterbogen der Täterfigur einem anderen Gast und streiche dessen ursprüngliche Rolle. Die Auflösung bleibt unverändert. Verteile die Bögen deshalb erst am Abend selbst, wenn du kurzfristige Absagen erwartest.
Und wenn spontan eine Person mehr kommt?+
Zwei Gäste können sich eine Figur als Paar teilen und sich absprechen. Alternativ unterstützt die Person die Spielleitung beim Verteilen der Hinweise. Wer eine Stufe größer gekauft hat, gibt einfach einen zusätzlichen Bogen aus.
Lohnt es sich, gleich die größere Stufe zu kaufen?+
Wenn du zwischen zwei Stufen schwankst, ja. Überzählige Charakterbögen lassen sich problemlos streichen, fehlende dagegen nicht ergänzen. Der Aufpreis zwischen den Stufen liegt bei wenigen Euro und kostet weniger als ein umgeplanter Abend.

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