Anleitungen10. März 2026·8 Min. Lesezeit

Krimidinner online per Videokonferenz

Wenn deine Runde über drei Bundesländer verteilt lebt, muss ein Krimidinner nicht ausfallen. Online funktioniert das Format erstaunlich gut, aber nur mit einer anderen Regie als am Esstisch. Dieser Artikel erklärt dir, welche Technik du wirklich brauchst, wie du Material vorab verteilst und wie der Ablauf am Bildschirm aussieht. Dazu die Pannen, die erfahrungsgemäß auftreten, und wie du sie vorher ausschließt.

Krimidinner online per Videokonferenz

Was online besser funktioniert, als die meisten denken

Der erste Reflex lautet, dass ein Krimidinner ohne gemeinsamen Tisch nicht funktionieren kann. In der Praxis fällt vor allem eines weg, nämlich das gemeinsame Essen, und einiges kommt dazu. Am Bildschirm sieht jeder jeden frontal ins Gesicht, und das ist beim Verhören ein echter Vorteil: Zögern, Blicke und Versprecher sind in der Kachelansicht deutlicher zu sehen als quer über eine Tafel. Außerdem ist die Redeordnung von selbst geregelt, weil nur eine Person gleichzeitig verständlich sprechen kann, was Vielrednern die Bühne nimmt und ruhigeren Gästen Raum gibt. Hinzu kommt die Logistik: Niemand muss fahren, niemand braucht ein Bett, und ein Abend mit Gästen aus Hamburg, Wien und Zürich ist plötzlich möglich. Was du dafür investieren musst, ist Vorbereitung. Ein Online-Krimidinner verzeiht Improvisation schlechter als ein Abend zu Hause, weil du technische Probleme nicht nebenbei lösen kannst. Die Fälle selbst bleiben identisch, du bekommst sie als PDF und verteilst sie digital, mehr dazu unter /krimidinner.

Technik: Plattform, Nebenräume und Ton

Wähle eine Plattform, die Nebenräume beherrscht, also getrennte Gesprächsräume innerhalb derselben Sitzung. Genau diese Funktion ist der Kern eines Online-Krimidinners, denn ohne Zweiergespräche unter vier Augen gibt es keine Geheimnisse. Gängige Videokonferenzdienste bieten das unter Bezeichnungen wie Breakout-Räume oder Gruppenräume an, prüfe vorher, ob deine Version die Funktion freischaltet. Zweitens der Ton: Bitte alle Gäste, Kopfhörer zu benutzen, ohne Ausnahme. Ein einziges offenes Mikrofon mit Lautsprecher erzeugt Echo, und Echo zerstört jede Verhörszene. Drittens die Ansicht: Erkläre zu Beginn, wie man in die Galerieansicht wechselt, damit alle alle sehen. Viertens der Name: Alle tragen ihren Rollennamen als Anzeigenamen ein, nicht den echten. Das klingt nach Kleinigkeit, trägt aber die Illusion des ganzen Abends. Teste die Einrichtung zwei Tage vorher mit einer Person aus der Runde, nicht eine Minute vor dem Start. Und halte eine Telefonnummer bereit, über die dich jemand erreicht, der nicht hineinkommt. Halte außerdem eine zweite Person bereit, die die Sitzung übernimmt, falls deine Verbindung mitten in einer Runde abbricht.

Material vorab verteilen und ausdrucken lassen

Die größte Abweichung vom Abend zu Hause betrifft das Material. Online kannst du keine Umschläge auf den Tisch legen, also musst du steuern, wer was wann sieht. Verschicke die Charakterbögen etwa eine Woche vorher einzeln per E-Mail, niemals als Gruppennachricht, und bitte darum, den eigenen Bogen auszudrucken. Ein Blatt Papier neben der Tastatur ist am Bildschirm viel praktischer als ein zweites Fenster, das die Kacheln verdeckt. Die Hinweise dagegen behältst du bei dir und teilst sie im Verlauf über die Bildschirmfreigabe, oder du lädst sie rundenweise in den Chat. Beides funktioniert, die Bildschirmfreigabe wirkt dramatischer, der Chat erlaubt späteres Nachlesen. Lege dir vorher einen Ordner an, in dem die Dateien nach Runden nummeriert sind, sonst suchst du live nach dem richtigen Dokument. Unsere Fälle kommen ohnehin als PDF per E-Mail und werden nicht verschickt, für den Onlinebetrieb ist das ein Vorteil. Wie die Dateien aufgebaut sind, siehst du unter /krimidinner-zum-ausdrucken.

Der Ablauf in Runden, angepasst an den Bildschirm

Plane online kürzer als zu Hause. Zweieinhalb Stunden sind die Obergrenze, danach lässt die Konzentration spürbar nach. Ein bewährter Ablauf sieht so aus: fünfzehn Minuten Ankommen mit Technikcheck und Vorstellung der Rollennamen, zehn Minuten Einstiegstext und Spielregeln, dann drei Runden zu je dreißig Minuten. Jede Runde besteht aus zwei Teilen: erst zehn Minuten in der großen Gruppe, in der neue Hinweise gezeigt und öffentlich befragt wird, dann zwanzig Minuten in Nebenräumen, in denen sich jeweils zwei oder drei Figuren unter vier Augen unterhalten. Die Zuteilung der Nebenräume bereitest du vorher vor, damit jede Figur im Lauf des Abends mit möglichst vielen anderen gesprochen hat. Zwischen den Runden gibt es fünf Minuten Pause, damit alle einmal aufstehen. Am Ende folgen Abstimmung und Auflösung in der großen Gruppe. Sag die Zeiten vorher an und halte sie ein, online verzeiht die Gruppe Verzögerungen deutlich weniger als am Tisch. Plane am Ende zehn Minuten ein, in denen alle die Kameras anlassen und einfach über den Abend reden, das ersetzt den gemeinsamen Ausklang.

Regie: wer moderiert und wie

Online brauchst du eine echte Spielleitung, die nicht mitspielt. Am Esstisch kannst du nebenbei moderieren, am Bildschirm nicht: Wer Nebenräume öffnet, Dateien teilt, auf die Uhr schaut und Nachzügler einlässt, hat keine Kapazität für eine eigene Rolle. Diese Person kündigt jede Runde an, nennt die verbleibende Zeit und ruft eine Minute vor Ende der Nebenräume eine Vorwarnung aus. Wichtig ist außerdem der Blick auf die Stillen: In der Kachelansicht sieht man sofort, wer seit zwanzig Minuten nichts gesagt hat, und ein gezielter Hinweis an genau diese Figur holt sie zurück ins Spiel. Nützlich ist ein zweiter Kanal, etwa eine Gruppe im Messenger, über den die Spielleitung einzelnen Personen geheime Anweisungen schickt. So bekommt die Täterfigur eine Information, die sonst niemand sieht. Verzichte darauf, alles perfekt machen zu wollen. Ein kurzer Satz wie „Technikpause, zwei Minuten“ ist völlig in Ordnung und bricht die Stimmung weniger, als stumm an einer Einstellung herumzuklicken. Sag außerdem zu Beginn, dass Rückfragen zur Technik jederzeit erlaubt sind, dann meldet sich niemand erst nach einer halben Stunde.

Hybride Abende und typische Pannen

Der hybride Fall ist der schwierigste: vier Personen gemeinsam an einem Tisch, drei einzeln zugeschaltet. Ohne Vorkehrung verlieren die Zugeschalteten den Anschluss, weil sie die Nebengespräche am Tisch nicht hören. Wenn es sich einrichten lässt, sollte deshalb jede Person ein eigenes Gerät mit Kopfhörern benutzen, auch die, die nebeneinander sitzen. Stelle außerdem ein zusätzliches Gerät mit Weitwinkelblick auf den Tisch, damit die Ferngäste die Runde sehen. Die häufigsten Pannen sind schnell benannt: Jemand kommt nicht in die Sitzung, ein Mikrofon bleibt stumm, ein Nebenraum schließt sich zu früh, eine Datei lässt sich nicht öffnen. Alle vier löst du vorher, indem du eine Ersatzeinladung, eine Telefonnummer, eine zweite moderierende Person und die Dateien zusätzlich im Chat bereithältst. Und plane einen Puffer von fünfzehn Minuten am Anfang ein. Der Abend beginnt online nie pünktlich, und wer das einkalkuliert, startet trotzdem entspannt. Schreib dir die wichtigsten Handgriffe vorher auf einen Zettel, damit du sie nicht im Kopf haben musst, während fünfzehn Kacheln auf dich warten.

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Häufige Fragen

Welche Plattform eignet sich für ein Krimidinner online?+
Jede Videokonferenz mit Nebenräumen und Bildschirmfreigabe. Prüfe vorher, ob deine Version diese Funktionen freischaltet und wie lange kostenlose Sitzungen laufen dürfen. Eine Zeitbegrenzung von vierzig Minuten reicht für einen Krimiabend nicht aus.
Wie viele Personen funktionieren am Bildschirm?+
Sechs bis zehn sind ideal, weil noch alle in eine Kachelansicht passen. Ab zwölf Teilnehmenden wird die Runde unübersichtlich und du brauchst strenge Redeordnung sowie feste Zuteilungen für die Nebenräume.
Muss jeder das Material selbst ausdrucken?+
Nur den eigenen Charakterbogen, und das lohnt sich sehr. Ein Blatt neben der Tastatur verdeckt keine Kacheln. Die Hinweise zeigst du als Spielleitung über die Bildschirmfreigabe oder lädst sie rundenweise in den Chat.
Kann man online auch gemeinsam essen?+
Ja, und es lohnt sich. Schick allen vorab dieselbe einfache Rezeptidee oder vereinbare einen Signature Drink, den alle mixen. Das gemeinsame Anstoßen zu Beginn ersetzt einen großen Teil der Tischatmosphäre.

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